Olympiafechter 1972, Nationalmannschaftsfechter, Gewinner Heidenheimer Pokal
Olympische Spiele 1972 in München. Auf Bahn 1 der Halle des Messegeländes kämpfen die weltbesten Fechter. Unter ihnen der Waldkircher Degenfechter Rudi Maier. Am 4. September steht der SVW-Sportler in seinem ersten Olympiagefecht dem Franzosen Jacques La Degaillerie gegenüber. Nur noch wenige Sekunden trennen Rudi Maier bei einer 4:1 Führung vom olympischen Auftaktsieg gegen den späteren Silbermedaillengewinner. Doch dann geschieht das tragische Unglück. In der letzten Minute seines Gefechtes verliert Maier das Bewusstsein, bricht zusammen und ist damit ausgeschieden.
Spät begonnen, aber großes Talent
Der damals 27-Jährige stand auf dem Höhepunkt seiner Fechtkarriere. Der damalige Bundestrainer Emil Beck traute dem Waldkircher sogar Medaillenchancen zu. Dabei begann Rudi Maier erst mit 17 Jahren mit dem Fechten. Sein Trainer und Mentor Sepp Mack erkannte jedoch sein Talent, förderte ihn zielstrebig und so wurde Maier 1965 bereits Fünfter bei den Deutschen Meisterschaften (DM) der Junioren. Er eilte von Erfolg zu Erfolg. 1968 stand er bereits auf Platz zwei der deutschen Rangliste und holte sich 1969 den 3. Platz bei den DM.
Bundestrainer Emil Beck holt Rudi Maier in Nationalmannschaft
Als Mitglied des Sportvereins Waldkirch wurde er 1969 gegen Österreich in die deutsche Nationalmannschaft berufen, dem über 30 Länderkämpfe im Dress des Deutschen Fechter-Bundes (DFB) folgten. 1970 startete er durch und etablierte sich sogar in der Weltspitze. Ein Auszug seiner Jahresbilanz: 1. Platz beim Internationalen Degenturnier in Budapest und in Belfort, 2. Platz beim Grand Prix in Bern und 7. Platz bei der Weltmeisterschaft (WM) in Ankara. Mit der Mannschaft verfehlte er mit dem 4. Platz nur knapp eine WM-Medaille. Der 3. Platz im Gesamtweltcup bestätigte seine hervorragende Form. Ein Jahr später dann der vorläufige Höhepunkt in Heidenheim, dem Wimbledon des Fechtsports. Der Waldkircher Degenspezialist gewann bei 292 Fechtern aus 22 Nationen den Heidenheimer Pokal.
Die logische Folge, die Nominierung für die Olympischen Spiele 1972 in München, sowohl im Einzel als auch in der Mannschaft. Der legendäre Bundestrainer Emil Beck traute ihm sogar ein Platz auf dem Podium zu, dessen Hoffnungen jedoch im ersten Gefecht jäh beendet wurden.
Nach einer Untersuchung querschnittsgelähmt
Schon vor München traten bei Maier neurologische Störungen auf, für die Olympiaärzte jedoch kein Problem. Doch nach dem erneuten Zusammenbruch bei der Olympiade wurde er im Dezember zu einer Untersuchung in eine Spezialklinik in Stuttgart geschickt, um die Ursache zu finden. Doch nach der Narkose und einem Kontrastmitteleinsatz wachte Rudi Maier als gelähmter Mann auf. Er war gelähmt von Kopf bis Fuß.
Trotz schwerster Behinderung arbeitete er noch jahrelang beim Fernmeldeamt in Freiburg und versah in seiner Freizeit mehrere Hobbys. Trotz seinem Schicksalsschlag bewies er einen großen Lebensmut. So nahm er 2006 lachend und fröhlich an der 50-Jahresfeier der Fechtabteilung des SVW teil. Im Dezember 2017 starb der erfolgreichste Waldkircher Fechter und Olympiateilnehmer nur wenige Wochen vor seinem 73. Geburtstag.
In Gedenken: Neuer Rudi-Maier-Treff – ein moderner Besprechungsraum
Mit seinem Trainer Sepp Mack hat sich Rudi Maier zum Nationalmannschaftsfechter entwickelt, in der Weltspitze mitgefochten und als einziger Sportler des SV Waldkirch an Olympischen Spielen teilgenommen. Genauso bewundernswert aber wie er seinen Schicksalsschlag der Lähmung bewältigte.
Dieses Vorbild war für die Vorstandschaft Ansporn, den neu renovierten Kellerraum im Olympiahaus beim Elztalstadion dem Waldkircher Spitzenfechter zu widmen. Im vergangenen Jahr wurde mit dem Nachlass von Rudi Maier, im Olympiahaus – für Rudi Maier durchaus passend – ein moderner Besprechungsraum eingerichtet.
Natürlich durften Erinnerungen an ihn nicht fehlen. Ein Vitrinenschrank, Bilder und Tafeln werfen einen Blick auf das Wirken von Rudi Maier. Seither wird der „Rudi Maier-Treff“, so der SVW-Vorsitzende Frank Moos, von den Abteilungen kräftig genutzt. Auch die Fechtabteilung hat ihn schon mehrfach genutzt wie für Schulungen oder Pressegespräche. Und dies alles im Blick von dem an der Wand verewigten Ausnahmefechters.